Dankbarkeit neu entdecken

Verabschieden wir uns von der Dankbarkeit wie von zu klein gewordenen Schuhen, wenn wir die Kindheit hinter uns lassen? Leider gibt es wohl in vielen Köpfen dieses Bild eines kleinen Kindes, das sich bei einem großen Erwachsenen bedankt. Oder bedanken muss? Weil vielleicht Mama oder Papa hinter einem steht und im Falle des ausbleibenden Höflichkeitswortes intervenieren würde? „Na, was sagt man, wenn man etwas geschenkt bekommt…“

Danken wird so als Zeichen einer lästigen Abhängigkeit oder Schwäche gesehen, der man schleunigst entwachsen sollte, wenn das Alter in den zweistelligen Bereich kommt. Als Heilpraktikerin und Osteopathin kann ich mich mit dieser Sicht des Erwachsenseins nicht anfreunden. Völlige Unabhängigkeit ist für mich eine Illusion. Menschsein bedeutet, in möglichst gesunde Strukturen des Gebens und Nehmens eingebettet zu sein. Wir leben dialogisch. Wechselwirkungen sind unabdingbar. Und damit eben auch die Dankbarkeit.

Wir verdanken es der Positiven Psychologie, die Bedeutung der Dankbarkeit neu für uns entdeckt zu haben. Martin Seligman und Robert A. Emmons haben dazu beigetragen, Dankbarkeit wieder als Stärke zu sehen. Wer dankbar ist, hat mehr vom Leben – das ist ihre Botschaft. Wer sich darauf einlässt, mit Dankbarkeit zu experimentieren, wird bald merken, wie gut sie tut. Man kann zum Beispiel damit beginnen, sich jeden Abend vor dem Einschlafen ein bestimmtes positives Tagesereignis oder eine konkrete gute Sache ins Bewusstsein zu rufen, für die man dankbar ist. Das fördert ein Gefühl der Geborgenheit. Man trägt so dazu bei, in einen ruhigen Schlaf zu fallen.

Wer möchte, kann ein Dankbarkeitstagebuch führen. Dadurch schafft man einen Dankbarkeits-Vorrat für schlechte Zeiten. Wenn uns doch mal der Blues erwischt, können wir in diesen Aufzeichnungen blättern und uns so bewusst machen, dass nach Sturm und Regen auch wieder die Sonne scheinen wird.

Wer sich wie wir Heilpraktiker und Osteopathen tagaus tagein mit dem Wunder des menschlichen Körpers beschäftigen darf, wird immer wieder zum Staunen und zur Dankbarkeit geführt. Ich bin dankbar, wenn Patientinnen mir berichten, dass die Behandlung zu einer Besserung des Gesundheitszustands geführt hat. Mich berührt es immer wieder neu, wenn ich erfahre, wie Umstände sich fügen und neue Chancen entstehen. Ich freue mich, wenn ich mit meiner Arbeit in Gera das Teil eines Wunders sein darf. In jedem echten Moment der Dankbarkeit spüre ich eine Art Reinigung und Wiederherstellung. In diesem Sinn kann man sich auch gerne etwas von einer kindlichen Dankbarkeit bewahren.

Ich wünsche Ihnen besinnliche Weihnachtstage und ein gutes Neues Jahr. Gerade die Zeit um den Jahreswechsel bietet eine gute Gelegenheit, Dankbarkeit zu üben, findet Ihre Geraer Heilpraktikerin Uta Erben.

Related Posts